Varus-Lager an der Weser ausgegraben
Archäologen: Hier war er vor der Schlacht
Archäologe Daniel Bérenger und Kollegin Bettina Tremmel mit dem Mühlstein.
Foto: Kemper
Porta Westfalica (WB/dk). Sensationelle Entdeckung an der Weser. »Wir haben höchstwahrscheinlich
das Sommerlager des Varus gefunden, bevor er im Jahre 9 nach Christus in die
Schlacht zog«, sagte gestern der stellvertretende Chefarchäologe des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Daniel Bérenger, in Porta Westfalca
(Kreis Minden-Lübbecke). Unweit des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Stadtteil
Barkhausen stieß der griechische Metallsondengänger Vassilios Efstratiadis
zwischen dem 7. und 9. Juli auf eine Gewandspanne sowie auf römische Münzen
und eine keltische aus der Regierungszeit des Kaisers Augustus (31 vor bis 14
nach Christus).
Während die silberne und die beiden bronzenen Münzen römischen Legionären
gehörten, hätten Hilfstruppen aus Nordfrankreich mit keltischen bezahlt.
Inzwischen haben die Archäologen außerdem Schuhnägel der Soldaten, Bleilote
und einen Mühlstein gefunden. »In dieser Gegend ist immer wieder das
Sommerlager des Varus vermutet worden«, erläuterte Bérenger, der von der »schönsten
Entdeckung seit 1950« schwärmte. Damals war in der Gegend eine römische
Goldmünze aufgetaucht. Statthalter Varus sollte für Kaiser Augustus
Germanien erobern, wurde aber mit seinen drei Legionen vernichtend geschlagen.
Ostwestfalen-Lippe/Seite 4: Kommentar
Artikel vom 08.08.2008
Kommentare
Römerlager in Porta Westfalica
Der Mythos Varusschlacht lebt
Kurz vor der 2000-Jahr-Feier der Varusschlacht bergen die Entdeckungen in Porta
Westfalica Brisanz. Der Bürgermeister der Stadt, Stephan Böhme, schlug gestern
schmunzelnd vor, der Mühlenkreis Minden-Lübbecke könne sich ja jetzt
Varus-Kreis nennen. In jedem Fall will der Kreis das Sommerlager des römischen
Statthalters touristisch für sich nutzen. Bislang hatten Lippe und Kalkriese
das geschichtsträchtige Ereignis für sich reklamiert. Aber nun wurde ein Lager
nicht vor der Kulisse des Hermanns-, sondern des Kaiser-Wilhelm-Denkmals
freigelegt.
Die Diskussion über Vorgeschichte und Ort der
Schlacht im Jahre 9 nach Christus wird neu angefacht. Um nicht Öl ins Feuer zu
gießen, vermied Archäologe Daniel Bérenger gestern geschickt die Antwort auf
die Frage, wer nach den jüngsten Funden die besseren Karten hat. »Der Ort der
Schlacht hat mich nie interessiert, die Infrastruktur der Römer vor dem Kollaps
ist interessanter als der Kollaps selbst«, sagte der 59-Jährige ausweichend.
Es zeigt sich immer deutlicher, wie klug die
Entscheidung des Landesmuseums in Detmold war, sich bei der Ausstellung 2009 auf
den Mythos der Schlacht zu konzentrieren. Der ist nach 2000 Jahren ungebrochen.
Dietmar Kemper
Artikel vom 08.08.2008