Kalkriese ist ein »Millionengrab«
Steuergeld-Verschwendung prüfen
Von
Ernst-Wilhelm Pape
Detmold (WB). Die Verschwendung von Steuergeldern hat der Hambuger Universitäts-Professor Dr. Siegfried G. Schoppe (62) den Verantwortlichen der gemeinnützigen Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH vorgeworfen.
Alle Argumente sprächen dafür, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger
Wald im Jahre 9 nach Christus in Lippe stattgefunden habe. Die These, die
Schlacht habe in Kalkriese bei Osnabrück getobt, sei wissenschaftlich
unhaltbar, sagte Schoppe, Professor am Uni-Institut für Wirtschaftssysteme,
Wirtschafts- und Theologiegeschichte. Dies werde er in einem Ende Januar erscheinenden Buch beweisen.
Das Ausmaß der Verwendung öffentlicher Mittel in das Museum und die Grabungsstätte Kalkriese schreie nach einer Untersuchung. Für die Kalkriese-These seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Schoppe kündigte einen Antrag auf Überprüfung der Gemeinnützigkeit der GmbH an.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt), Landesverband Niedersachsen/Bremen, ist der
Meinung, dass der Anspruch Ort der Varusschlacht zu sein, die Gefahr berge,
öffentliche Kassen besser anzapfen zu können. In Anlehnung an den Ausruf von
Kaiser Augustus angesichts der Niederlage der römischen Legionen gegen die
Cherusker unter Führung von Arminius: »Varus, Varus gibt mir die Legionen
zurück«, appelliert der Steuerzahlerbund an den niedersächsischen
Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Christian, Christian, pass auf
unsere Euros auf.«
Die Landesregierung hat 2006 für die
Auswertung der Schlachtfeldfunde in Kalkriese 700 000 Euro bewilligt.
Ferner stehen im Landesetat seit 2004 jährlich 10 000 Euro für
Kalkriese bereit. Diese Mittel sollen nach Angaben von BdSt-Sprecher Bernhard
Zentgraf im Jubiläumsjahr 2009 deutlich erhöht werden. Ferner hofft Kalkriese
auch auf Gelder der Europäischen Union.
Auch der Vorsitzende der Vereins Arminusforschung in Lippe, Heinrich Kemper (CDU-MdL), stellt den Alleinvertretungsanspruch von Kalkriese in Frage. Kemper will den Niedersachsen große Fragezeichen zum Aufkleben auf die Autobahn-Hinweisschilder »Kalkriese Ort der Varusschlacht« zur Verfügung stellen.
Westfalen-Blatt vom 29.12.2006