Schlachtort bleibt im Dunkeln

Hochkarätige Tagung über Varus und die Römer in der Region

Von Dietmar K e m p e r

Detmold (WB). Der Ort der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus lässt sich nicht eindeutig identifizieren. »Die Ausstellung zur Schlacht wird 2009 in Kalkriese gezeigt, aber es ist gut möglich, dass in dem Begleitkatalog etwas anderes steht«, erklärte Professor Heinz G. Horn vom nordrhein-westfällschen Kulturministerium in Detmold.

Zwei Tage lang sprachen !0 Archäologen, Bodendenkmalpfleger und Althistoriker aus ganz Deutschland im Lippischen Landesmuseum über die Spuren der Römer im nördlichen Mittelgebirge um Christi Geburt. Der Archäologe Michael Zelle aus Minden betonte: »Wir wissen, dass mehrere Schlachten geschlagen wurden, aber wir können sie nicht fassen.« Kalkriese bei Osnabrück sei einer der wenigen gesicherten Schlachtorte, aber es bestehe keine Klarheit darüber, ob die Kämpfe dort im Jahre 9 oder erst 15 nach Christus getobt haben. »Während in anderen Regionen Deutschlands bereits intensiv geforscht wird, wurden das östliche Westfalen und das Weserbergland in den letzten Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt«, erklärte Zelle das »außerordentlich bruchstückhafte Wissen«.

Helme, Waffen und Münzen ließen nur dann Aufschlüsse über die Anwesenheit der Römer zu, wenn sie in eine archäologische Struktur, also in eine Siedlung oder ein Lager, ei gefügt seien. Deshalb forscht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit Hochdruck in Anreppen bei Delbrück (Kreis Paderborn). »Viele Speichergebäude weisen auf eine bedeutsame Rolle als Vorratslager für die Legionen hin«, sagte Johann-Sebastian Kühlborn vom Referat für Provinzialrömische Archäologie des LWL.

Weil sich Kalkriese »blamieren könnte«, hat sich der Leiter des Lippischen Landesmuseums, Rainer Springhorn, mit dem Ausstellungsthema »Mythos Varusschlacht« angefreundet. Im Mittelpunkt des lippischen Beitrages für die 2000-Jahr-Feier 2009 steht nicht die Frage nach dem
Ort der Schlacht, sondern der Umgang mit Niederlage und Sieg von der Antike bis heute. In Deutschland wurde die Vernichtung der drei Legionen durch die Cherusker für nationalistische Propaganda missbraucht. 

Das Land NRW lehnt eine Ausstellung mit dem Titel »Arminius: Befreier Germaniens« in Detmold ab, weil sie Parallelen zum Dritten Reich sieht. Heinz G. Horn: »Unter der selben Titel stand das Thema in nationalsozialistischen Geschichtsbüchern.« Der neu gegründete »Verein zur Arminiusforschung OWL« hatte vorgeschlagen, das Thema »Mythos Varusschlacht« durch »Arminius: Befreier Germaniens« zu ersetzen. Rainer Springhorn hält den Titel für irreführend: Die Stämme zwischen Osnabrück und dem Westharz hätten sich nicht als Germanen verstanden, sondern seien vor den römischen Geschichtsschreibern so genannt worden.

Um viele Gäste während dei Jubiläumsfeiern 2009 anzulocken wollen die Ausstellungsmacher den Mythos Bernsteinzimmer mit dem Geheimnisvollen der Varusschlacht verbinden. Zudem werden Vereine und Verbände eingeladen, in Detmold zu tagen, um die Stadt »zum Mekka der Altertumsforschung« zu machen. Landrat Friedel Heuwinkel verspricht der Bevölkerung ein »Highlight für Lippe«. Seite 4: Kommentar

(Westfalen-Blatt vom 19.6.2004)