Weiter Streit um Ort der Varusschlacht

 

Münsteraner stützt Argumente der Lipper (Neue Westfälische vom 25.11.2004)

 

Münster/Lage (spar). Das ist Wasser auf den Mühlen derjenigen, die anzweifeln, dass die Varusschlacht im Jahre 9 n.Chr. in Kalkriese bei Bramsche stattgefunden hat: Der Archäologe Stephan Berke von der Universität Münster hält zumindest die eindeutige Zuschreibung Kalkrieses bei Osnabrück als Schauplatz für "so wissenschaftlich nicht haltbar".

"Die Kalkrieser können es nicht beweisen, dass die Varusschlacht dort war", meint auch Wolfgang Lippek, Geschäftsführer des Vereins Arminiusforschung und Vorsitzender des naturwissenschaftlichen Vereins Lage. Der Mathematiker argumentiert anhand der Münzfunde von Kalkriese und hält es für wahrscheinlicher, dass die Caecina-Schlacht 14 nach Christus dort stattgefunden hat.

 

"Wir haben bei allen Münzfunden eine zeitliche Unschärfe, die man nicht wegdiskutieren kann", meint Berke. Gerade in der Zeit von zwei bis 14 nach Christus, also im fraglichen Zeitraum seien kaum Münzen geprägt worden, die sich genauer einordnen lassen.

Der junge Verein Arminiusforschung wird sich nun sicher eingehend mit den Thesen des Münsteraner Archäologen befassen. Am 1. Dezember ist die nächste Mitgliederversammlung, bei der die Satzung verabschiedet werden soll. Besonders ärgerlich ist für die Lipper, dass Kalkriese ihnen im Rennen um den großen Jubiläumsfeiern im Jahr 2009 den Rang abgelaufen hat. Für Lippe ist das Thema "Mythos Varusschlacht" geplant, für Kalkriese lautet der Titel "Ort der Varusschlacht". "Aber wo finden die Veranstaltungen statt, wenn Kalkriese gar nicht Ort der Varusschlacht war?", fragt Lippek.

Die Stadt Osnabrück hat ihre Germanenausstellung "2000 Jahre Varusschlacht" für 2009 bereits abgesagt. Allerdings aus finanziellen Gründen, nicht wegen des wissenschaftlichen Streits um den Schlachtort.


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