NW vom 14. Februar 2005:
Neben Kampf auch reger
Handel / Von Julika Gausmann
Vor allem unter dem Stichwort
Varusschlacht sind die Germanen und Römer in der hiesigen Region populär. Dass
die beiden Völker sich aber nicht nur bekämpften, sondern auch rege
Handelskontakte pflegten, ist weniger bekannt. Der Dortmunder Archäologe Dr.
Georg Eggenstein brachte in seinem Vortrag etwas mehr Licht in die immer noch
dunkle Lebensweise der Germanen.
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„Germanische Siedlungen um
die Geburt Christi im Lipperaum“, so der Titel des Vortrags, zu dem die
Arminiusforschung und der Heimatverein Bad Lippspringe einluden. Eggenstein, der
1998 zu diesem Thema dissertierte, leitet die Ausgrabungen im Paderborner Westen
sowie die Auswertung der Funde für den Landschaftsverband. Aufgrund fehlender
Schriftquellen seien die Germanen in der Forschung bislang eher im Hintergrund
geblieben. Zahlreiche Artefakte aus westfälischen Grabungsstätten machen
diesen Misskredit mittlerweile allerdings wett. |
In Bergkamen-Oberaden,
wo die Römer 11 v. Chr. ein Legionslager errichteten, wurden bei Ausgrabungen
germanische Siedlungsspuren freigelegt, die in die Zeit vor als auch nach der römischen
Besatzung wiesen. Dabei wurden auch Überreste von Tieren gefunden, die auf eine
Feld- und Wiesenkultivierung hindeuteten. „Das zeigt, dass die Germanen nicht
im Urwald lebten, sondern bereits in dieser frühen Phase des ersten
Aufeinandertreffens einen fortgeschrittenen Entwicklungsstatus hatten“,
widersprach Eggenstein dem oft kursierenden Vorurteil vom rohen, im Gestrüpp
hausenden Barbaren.
Für eine germanische
Zivilisation sprechen auch Funde in der Bad Lippspringer Burgstraße. In einer
„Kegelstumpfgrube“, vermutlich eine unterirdische Vorratskammer, wurden
unter anderem Beinknochen von Hähnen gefunden. Was auf den ersten Blick banal
klingt, ist für die Wissenschaft von großer Bedeutung: „Das ist einer der
ersten Belege für eine Geflügelzucht in Westfalen“, so Eggenstein. In Delbrück-Anreppen
fand man 1971 sogar eine germanische Siedlung nur 100 Meter entfernt von einem römischen
Lager.
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eigenständig, müssen aber nach den Funden im engen Kontakt mit den Römern
gestanden haben“, so Eggenstein. Er vermutet, dass die Germanen, anders als in
Oberaden, wo sie den Besatzern wichen, hier vielleicht nur der Geschäfte wegen
in direkter Nachbarschaft gesiedelt haben. Denn nach Abbruch des Lagers im Zuge
der Varusschlacht, gaben auch die Germanen das Areal auf. Auch in Westick lässt
sich das Miteinander verfolgen: 1.200 römische Münzen, von denen 95 Prozent
aus Kupfer bestanden, also nur Geldwert hatten, wurden hier gefunden. |
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„Bisher ging man
davon aus, die Germanen hätten nur Tausch betrieben, die Münzen lassen aber
eine Teilnahme am Geldverkehr und einen handlungsfähigen Status vermuten“,
sagt der Dortmunder Fachmann. Über Handelsbeziehungen bleiben die Kontakte der
Germanen zu den in der Varusschlacht besiegten Römern sogar noch Jahrhunderte
lang indirekt bestehen.