Ein Licht aus dem Mittelalter zeigt den Weg
Brandspuren in den Externsteine-Grotten sind datiert worden
 
Horn-Bad Meinberg/Lemgo (te). Die Feuerstellen in den Grotten der Externsteine sind datiert. Dabei kam heraus: Die Feuer brannten im Mittelalter. Vermutungen, dass die Steine schon im 1. Jahrtausend vor Christus von Menschen genutzt wurden, bestätigten sich nicht, sind aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen.
Das Geheimnis der Externsteine:Dr. Clemens Woda betrachtet einen Bohrkern, der in einer der Grotten entnommen und auf das Alter der Brandspuren untersucht wurde.Foto: Jähne

Gestern gaben die Wissenschaftler nach eineinhalbjähriger Arbeit in einer Pressekonferenz in Lemgo ihre Ergebnisse bekannt. Sie hatten neun Bohrkerne aus den Höhlen mit der Methode der "Optisch-Stimulierten Lumineszenz" untersucht. Mit der speziell entwickelten Technik kann der Zeitpunkt ermittelt werden, an dem der Stein zum Beispiel durch ein Feuer zuletzt erhitzt wurde.

Zwei der Feuerspuren in Haupt- und Nebengrotte können damit in das Spätmittelalter um 1325 (plus/minus 50 Jahre) datiert werden, eine weitere Spur ist hochmittelalterlich (Zwischen 1030 und 1130). Das bestätigt den Stand bisheriger archäologischer Untersuchungen. Andere Spuren stammen aus der Zeit, als die Grotte im 14. und 15. Jahrhundert, als dort ein Einsiedler lebte.
Deutlich älter ist aber offenbar die Kuppelgrotte. So fanden sich hier Spuren eines Feuers, das um das Jahr 934 (plus/minus 94 Jahre) gebrannt hat, eine Spur könnte maximal schon aus dem Jahr 735 stammen. Dr. Clemens Woda von der Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften: "Die Methode war erfolgreich. Eine prähistorische Nutzung der Grotten wurde nicht erwiesen. Sie ist aber auch nicht ausgeschlossen, denn die Lumineszenz datiert nur das letzte Feuer. Was davor war, wissen wir nicht." Sicher ist allerdings: Forschungen zu Beginn der 90er Jahre, die möglich erscheinen ließen, dass die Grotten in der Älteren Eisenzeit genutzt wurden, haben sich nicht bestätigt.

Die Wissenschaftler haben nun neue Fragen. Roland Linde, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft Externsteine (SGE), sprach in einer ersten Wertung von zwei Phasen: Die Kuppelgrotte sei älter als die Hauptgrotte und weise in eine Zeit, in der die Region nach der Eroberung durch die Franken eine gewisse Bedeutung erlangt habe. Offen sei, zu was die Grotte gedient habe. Und vor allem steht die Frage im Raum, ob sie damals durch das Feuer im Wege der Brandsprengung entstanden ist, oder schon vorher ausgehauen wurde.

Weiterer Forschungsbedarf ist also da, zumal die Untersuchungen nach Wodas Ansicht durch neue Proben überprüft werden sollten, um Unsicherheiten zu verringern. Diese Fragen seien ein großer Ansporn, sagte Kurt-Uwe Förster (SGE). Der Verein werde sich um neue Forschungsmittel bemühen.

Lippische Landeszeitung vom 21.10.2005