Verein
will selbst forschen
Kreis
Lippe (te). Der lippische Verein "Arminiusforschung" sieht sich bestätigt:
Die These, in Kalkriese sei der Ort der Varusschlacht gefunden, sei deutlich
demontiert worden, befand jetzt Frank Böning. Böning ist neuer
stellvertretender Vorsitzender des Vereins, der jüngst eine weitgehend neue Führungsspitze
wählte und sich nun stärker der Forschung widmen will.
Böning erneuerte im Gespräch mit der LZ die Forderung, die für Kalkriese werbenden Schilder "Ort der Varusschlacht" müssten abgebaut oder zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden.
Dafür habe die wissenschaftliche Diskussion derzeit schon zu viele Fragezeichen an der These erbracht. "Maßgebliche Wissenschaftler" rückten klar von der These ab, heißt es in einer Internetveröffentlichung des Vereins, nun warte man auf den wissenschaftlichen Gegenbeweis aus Kalkriese.
Dort
sind seit 1989 tausende Funde ergraben worden, die Archäologen aus dem Osnabrücker
Land als Beleg dafür werten, dass Kalkriese ein Schlachtort der Varusschlacht
war. Zweifel daran hat im November bei einer Veranstaltung in Detmold
insbesondere der Althistoriker Peter Kehne aus Hannover angemeldet, der keine Übereinstimmung
mit den schriftlichen Überlieferungen sieht.
Der
neue Vorstand des Vereins werde in einer Sitzung am 28. Dezember, die auch für
die Mitglieder offen sein soll, darüber diskutieren, ob man per Petition
erreichen will, die Varusschlacht-Schilder abbauen zu lassen. Böning sieht
darin einen gangbaren Weg, hält aber persönlich eine Unterschriftensammlung
zur Unterstützung der Petition nicht für ein passendes Instrument.
"Kalkriese muss über sich selbst nachdenken", sagte der
Oerlinghauser.
Er ist Stellvertreter des neuen Vorsitzenden Heinrich Kemper. Der
CDU-Landtagsabgeordnete folgt Ex-Landrat Hans Pohl nach. Zum Vorstand gehören
darüber hinaus Hans Janeczek aus Oerlinghausen als Schriftführer und Wolfgang
Lippek aus Lage als Kassierer. Zu Beisitzern wurden Ewald Ernst, Wigbert Gruß
und Christian Hinder gewählt. Kemper sei als Vorsitzender ein "guter
Griff", meinte Böning, der selbst CDU-Ratsfraktionsvorsitzender in
Oerlinghausen ist. Kemper habe einen "guten Draht" in den
Kulturausschuss des Landes und zum Landrat.
Am
28. Dezember wolle man zudem die Aufgabenbereiche des Vereins neu ordnen, um
effektive Arbeit leisten zu können, sagte Böning. Einen künftigen Schwerpunkt
sieht er darin, eigene Forschungsarbeiten in Lippe anzustoßen, um mögliche Plätze
von Kämpfen des Arminius zu finden. Es gebe dazu viel versprechende Ansätze -
von Oesterholz bis zum Winnfeld und an einem weiteren Ort, der derzeit aber noch
nicht so untermauert sei, dass man ihn nennen könne.
In diesen Gebieten müssten Feldforschungen vorangetrieben werden. Dabei wolle man eng mit der Amtsarchäologie zusammenarbeiten. "Der Vorstand ist darum sehr bemüht." Es müsse ferner darum gehen, Schriftquellen, numismatische Untersuchungen und die Aufarbeitung von Altgrabungen in die Forschung einzubeziehen.
LZ
vom 20.12.2006