Kreistagsrede in Detmold - Kreis Lippe - am 28.06.04, gehalten von Herrn Rudolf Brinkmann, Lage/Entwurf Wolfgang Lippek, mit freundlicher Genehmigung von Beiden:

Ich glaube, dass wir mit unserer heutigen Entscheidung, über alle Fachsimpeleien hinweg, lief und fest überzeugt sind, etwas Gutes für Lippe und die Region OWL. bewirken zu wollen. 

So gesehen sitzen wir mit dem Verein Arminiusforschung in einem Boot. Wir wollen etwas Gutes bewirken, der Verein Arminiusforschung will dies auch.

Tatsache ist, dass in Lippe eine sprudelnde Quelle zu einem Rinnsal geworden ist. Es besteht die Gefahr, dass diese vollständig und für immer austrocknen könnte. 

Gemeint sind die Besucherströme am Hermannsdenkmal! Waren Anfang der 90er Jahre noch ca. 800.000 Besucher dort, sind es im letzten Jahr nur noch ca. 200.000 gewesen. 

Wirken die Ursachen für diese Misere auch heute noch? 

Wir haben zu überlegen, ob bei Annahme der von der Bodendenkmalpflege vorgeschlagenen Themen für Lippe und die Region genug herausspringen wird.

Hat Prof. Horn politisch richtig, gehandelt? Er hat weder uns  noch der Öffentlichkeit die tieferen Gründe für diese Misere dargelegt und auch nicht das Thema Mythos begründet. 

Uns, den Entscheidungsträgern, hat er mit der „großen Keule" gedroht  Falls die Themenvorschläge nicht beibehalten, müsste "... die finanzielle Förderung seitens des Landes überdacht werden“ -  Dabei handelt es sich bzgl. der Forschungsvorhaben für Lippe bis 2007 um 50 000 Euro pro Jahr aus Düsseldorf.

(Prof. Horn, Schreiben vom 21.1.2004, S.2)

In ähnlicher Manier versucht er den Themenvorschlag des gen. Vereins "Arminius Befreier Germaniens" mit Hinweis auf Praktiken der NS-Zeit zu diskreditieren, ohne zu bedenken, dass er mit diesem Hinweis auch das von der Bodendenkmalpflege vorgeschlagene Thema "Mythos..." erheblich beschädigt hat (z.B. Mythos Externsteine, Mythos Wewelsburg, Mythos der arischen Abstammung, usw.).

Heute sind wir wieder in einer wenig beneidenswerten Situation. Wir sollen besser wir wollen - zum Vorteil der Region entscheiden.

Wir hoffen etwas Gutes für Lippe zu beschließen und beschließen für Kalkriese gleich mit.

Es ist höchst lobenswert und entspricht christl. Prinzipien den möglichen Konkurrenten -  Kalkriese - mit Wohltaten zu bedenken.

Ein derartiges Verhalten sollte aber da seine Grenzen finden wo dies zu Lasten der hiesigen Region gehen könnte.

Beide Themen beinhalten das Wort "Varusschlacht". Dem möglichen Besucher wird zugemutet sich zu entscheiden.

Vielleicht hat man die Hoffnung, dass er alle vier Ausstellungen besucht. Ich glaube allerdings, dass, vor allem in Zeiten knappen Geldes, eher jener Ausstellungsort aufgesucht wird, der die Varusschlacht konkret für sich behauptet.

Überlegen wir!  Kalkriese: Die Varusschlacht         -          Detmold : Mythos Varusschlacht

Das Wort Mythos lässt an Sage, märchenhafte Erzählung u.ä. denken, aber nicht an Konkretes.

Wer Märchen und Sagen liebt reist vielleicht eher nach Detmold. Da wir aber in einer naturwissenschaftlich-technisch überformten Welt leben, ist zu befürchten, dass die Besucherströme Lippe fernbleiben  -  was ja seit 1995 schon geschehen ist. (Damals gab es eine Ausstellung Kalkrieses am Hermannsdenkmal das Thema hatte ein großes Fragezeichen)

Der Mangel an Besuchern dürfte sich dann wohl auch über das Jahr 2009 hinaus fortsetzen.

Das entsprechenden Beweise oder auch nur plausible Argumente aus Kalkriese fehlen, zeigten uns allen die Ausführungen des Spiegel-Artikels vom 8. März 2004.

Wir sollten den Vorschlag des Vereins aufgreifen und für das Kalkrieser Thema "Die Varusschlacht" zumindest ein dickes Fragezeichen fordern.

Entscheiden wir nach unserem Wissen und Gewissen und nicht unter dem Druck der uns vorgehaltenen" großen Keule", die mit 50 000 Euro pro Jahr aus Düsseldorf bis 2007 eigentlich doch recht klein ist.

Denken wir an die „Lippische Solidarität".

Erhalten wir den Lippern und Ostwestfalen den plausiblen Bereich ,jener weltgeschichtlich bedeutendsten Arminiusschlacht.

Kreistagsrede gehalten von R. Brinkmann am 28.6.2004