Die
Varusschlacht, die nach dem römischen Statthalter Publius Quinctillius Varus
benannt ist, wird von zahlreichen Autoren beschrieben. Die Angaben über den
Ort variieren aber zum Teil erheblich. Nach dem Bekanntwerden neuer
wissenschaftlicher Erkenntnisse ist ein Streit darüber entbrannt, ob die „Schlacht
im Teutoburger Wald“ nun tatsächlich im Kreis Lippe oder aber bei Kalkriese
nahe Osnabrück stattgefunden hat.
Bei der Varusschlacht wurden im Jahr 9 nach Christus drei römische Legionen
vom germanischen Cheruskerfürst Arminius (Hermann) in einen Hinterhalt
gelockt und vernichtend geschlagen. Rund 10 000 Menschen verloren bei der
Auseinandersetzung ihr Leben. Mit der Niederlage endete der Versuch Roms, ganz
Germanien zu kolonisieren.
Über Jahrhunderte war der Teutoburger Wald bei Detmold, wo auch das
Hermannsdenkmal steht, als historischer Ort des Waffengangs angesehen worden.
Doch 1987 wurden bei Kalkriese nahe Osnabrück 162 römische Münzen und drei
Wurfgeschosse aus Blei entdeckt. Dennoch zweifeln vor allem
Geschichtsinteressierte aus dem Kreis Lippe daran, dass auf dem Grabungsfeld
in Kalkriese wirklich die Überreste der Schlacht von 9 nach Christus gefunden
wurden, bei dem drei römische Legionen von dem Cheruskerfürsten Arminius
vernichtend geschlagen wurden. Deshalb wurde auch zwischenzeitlich die
Forderung erhoben, dass sich Kalkriese nicht mehr als „Ort der Varusschlacht“
bezeichnen darf.
Was spricht für Lippe?
Der Vorsitzende des Vereins Arminiusforschung, Heinrich Kemper, verweist unter
anderem auf die Münzen, die bei den Ausgrabungen in Kalkriese entdeckt
wurden. Es sei unwahrscheinlich, dass in den abgelegenen Provinzen des
römischen Reiches schon um 9 nach Christus solche Münzen kursierten. Zudem
wurden Spitzgräben als Indiz dafür angeführt, dass es sich bei den
archäologischen Funden in Niedersachsen nicht um Relikte einer Schlacht,
sondern eines römischen Marschlagers handelt.
Kemper, der zugleich Mitglied des Düsseldorfer Landtags ist, plädiert
deshalb für eine objektive Diskussion darüber, ob die Schlacht im
Teutoburger Wald möglicherweise im heutigen Kreis Lippe stattgefunden hat. Es
gehe darum, den „Alleinvertretungsanspruch“ Kalkrieses zu hinterfragen und
sich objektiv mit den Fakten zu befassen. Man wolle in Rahmen des zum 2000.
Jahrestag geplanten Projektes, in dem der aktuelle Forschungsstand zu der
Schlacht präsentiert werden soll, die Frage nach dem historischen Ort der
Varusschlacht thematisieren, erklärte Kemper.
Was spricht für Kalkriese?
Der Geschäftsführer der Varusschlacht-GmbH, Joseph Rottmann, ist überzeugt,
dass der historische Ort bei Kalkriese liegt. „Die jetzt wieder aufgeflammte
Diskussion ist nicht neu. Die Thesen sind seit fünf bis sechs Jahren bekannt“,
erklärt er. In Kalkriese liege das einzige antike Schlachtfeld, das derzeit
weltweit erforscht wird, unterstreicht Rottmann.
Sein Museum arbeite mit namhaften Wissenschaftlern zusammen, die in der
Mehrheit die These unterstützten, dass die Schlacht, mit der die römische
Expansion nach Germanien ein Ende fand, bei Kalkriese stattfand. Seit den
ersten Funden aus dem Jahr 1987 und den 1989 begonnenen Ausgrabungen seien
rund 6000 Relikte aus dem Boden geholt worden – schwerpunktmäßig handele
es sich um Münzen und Militaria, Tier- oder Menschenknochen sowie
Wallanlagen.
Demgegenüber habe es im Raum Lippe nur vereinzelte Funde gegeben. Aus Sicht
von Rottmann sprechen die Indizien für Kalkriese – auch wenn er einräumt,
dass es sich bei manchen Funden um „Puzzleteile“ handelt, die in ihrer
Bedeutung noch eingeordnet werden müssten.
Ein Schiff für die gemeinsame Sache
Im Rahmen des länderübergreifenden Projekts im Jahr 2009 ist auch der
Nachbau eines römischen Schiffes geplant, das für die Veranstaltungen zu dem
Jahrestag werben soll. Die Projektpartner möchten deshalb schon jetzt den
Eindruck vermeiden, sie säßen nicht im selben Boot. „Uns zeigt die
Diskussion, dass wir richtig mit dem Projekt liegen, weil die Frage, wo der
Ort der Varusschlacht liegt, offenbar auch heute noch Experten und Laien
interessiert“, erklärt der Sprecher der Landschaftsverbands Westfalen-Lippe
(LWL), Frank Tafertshofer.
Der LWL ist mit seinem Westfälischen Römermuseum in Haltern beteiligt. Dort
hatten die Römer einst ein Lager aufgeschlagen, von dem aus drei Legionen um
die Jahrtausendwende zur Niederlage im Wald ausgezogen waren. Zumindest dieser
historische Fakt ist derzeit unbestritten.