Zwischen Weser und Lippe

Von Stefan Lüddemann - Osnabrück (Osnabrücker Zeitung vom 16.2.2002)

Von der Varus-Schlacht hat jeder schon einmal gehört. Doch über den Ort des Geschehens im Jahr 9 nach Christus wird immer wieder gern spekuliert, auch wenn sich die Historiker weitgehend festgelegt haben.

Neueste Version: Irgendwo in Ostwestfalen zwischen Weser und Lippe statt in Bramsche-Kalkriese bei Osnabrück soll es zu dem folgenreichen Gemetzel gekommen sein. Dies erklärt jetzt Wilm Brepohl, Kulturreferent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. „Wir sehen das sehr gelassen", sagt hingegen Prof. Rainer Wiegels von der Universität Osnabrück. Der Professor für Alte Geschichte sieht die Befunde der Archäologie auf seiner Seite: „Es gibt keine stichhaltigen Gründe, die gegen Kalkriese sprechen".

Immerhin macht Brepohl keinen eigenen Vorschlag für den Ort der Schlacht. „Er hat die Ortsfrage bewußt offen gelassen", sagt LWL-Pressesprecher Markus Fischer. In seinem Beitrag zu dem Buch mit dem reichlich unspektakulären Titel „Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe", das gestern im Römermuseum in Haltern vorgestellt wurde, will Brepohl Ungereimtheiten der bisherigen Argumentation aufdecken. 

Dass die Römer auf dem Weg in ihr Winterlager von den Germanen überrascht worden seien, mag er nicht glauben. Seine Version: Arminius habe die Römer zu einem Kultfest eingeladen und die Gelegenheit zum Angriff genutzt. Brepohl habe Quellen gegeneinander abgewogen, stütze sich aber nicht auf archäologische Funde, sagte Fischer. Bei Kalkriese müsse eine andere Schlacht stattgefunden haben.

Genau dies will Christian Jaletzke, Geschäftsführer der GmbH „Varusschlacht im Osnabrücker Land. Museum und Park Kalkriese", einfach nicht glauben. „Die Indizienkette ist eindeutig", sagt er. Vor der Benennung der Museums-Gesellschaft sei ein entsprechendes Votum beim Vorsitzenden der Römisch-Germanischen Kommission, dem Frankfurter Althistoriker Prof. Sigmar von Schnurbein eingeholt worden.

"Vor allem das reiche Spektrum der Münzfunde deutet auf Kalkriese. Selbst kritische Fachleute nehmen dort einen größeren Kampfplatz an", sagt Prof. Wiegels, der an der Uni Osnabrück einen mehrtägigen Kongreß zur Varusschlacht geleitet hatte. Allein 1.300 römische Münzen seien ein deutliches Indiz. Einzelne Experten votierten zwar für eine Datierung um 15 nach Christus. Überwiegend werde jedoch das Jahr 9 angenommen. „In diesem Jahr gab es in dem Raum aber kein anderes Ereignis von dieser Dimension", betont Wiegels.

Gleichfalls ablehnend äußerte sich der Osnabrücker Kreisarchäologe Prof. Wolfgang Schlüter. „Das sind reine Spekulationen, die sich nicht auf Funde stützen können", wehrt er sich insgesamt gegen wuchernde Hypothesen von Hobbyforschern. „Wir kümmern uns seit Jahren nicht mehr um diese Leute", sagt der Experte, der bereits mehrfach angebliche Belege für alternative Verortungen der Schlacht begutachten durfte. Einige der selbsternannten Varus-Experten würden regelrecht „nerven", sagen Schlüter und Wiegels...."

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