BIELEFELD: Römer geben Rätsel auf  

 

Neue Münzfunde wecken Zweifel an finaler Schlacht in Kalkriese

VON BERNHARD HÄNEL  

 

Bielefeld/Hamburg. Licht in das Dunkel der Geschichte der Germanen zu bringen versucht die jüngste Ausgabe des Spiegel. Auf beinahe fünf Seiten beleuchtet das Hamburger Nachrichtenmagazin die Zeit der Varus-Schlacht und nährt neue Zweifel am Ort der schwersten Niederlage der Römer kurz nach der Zeitenwende.

Weder in Kalkriese im Osnabrücker Land, schon gar nicht im Teutoburger Wald habe Hermann die Römer besiegt. Vielmehr habe der "Che Guevara im Nebelland" die Römer überall geschlagen, wo er ihnen einen Hinterhalt stellen konnte. Höchst erfolgreich: 50.000 römische Soldaten brachte der Germane in einem jahrelangen Guerillakrieg zur Strecke. Doch einen "finalen Kampfplatz" wie ihn Museums-Geschäftsführer Christian Jaletzke für Kalkriese beansprucht, habe es nicht gegeben.

Vielmehr sei die Supermacht Rom zermürbt und stetig von den Germanen aufgerieben worden. Fast ein Drittel der römischen Armee habe gegen Hermann vergeblich gekämpft. Gescheitert aber sei auch der Stratege germanischer Zunge: Die Häuptlinge der frühgermanischen Zeit hätten von seinen Vereinigungsplänen nichts gehalten. "Sie ermordeten ihren ,Retter‘ im Jahr 21 nach Christus," schreibt Spiegelautor Matthias Schulz.

Roms Griff über die Grenzen des Imperiums habe einem "Einmarsch in die Dritte Welt" geglichen, zitiert das Magazin den Historiker Herwig Wolfram. Gegen die germanischen Naturburschen, für die Sex vor dem 20. Lebensjahr verpönt gewesen sei, wirkten die Vertreter der mediterranen Großmacht lasterhaft.

Soweit die gesicherten Fakten, wie sie römische Geschichtsschreiber für die Nachwelt festhielten. Der Rest aber bleibt weiterhin ungeklärt. Was der Boden preis gibt, ist verwirrend. Die bislang sicher geglaubte Datierung der Schlacht bei Kalkriese wackelt. Neue Geldstück-Funde etwa widersprächen den sicher geglaubten Beweisen für das Datum der Schlacht im Jahr 9 nach Christus.

Gefunden worden seien auch Münzen, die drei bis fünf Jahre später geprägt worden seien. "Die Idee, dass Varus im Kalkrieser Flachland zu Grunde ging, hat an Zugkraft verloren", schreibt der Spiegel. Für die Historiker wäre dies ein neues Debakel. "Erst wurde Kaiser Wilhelms Hermann-Denkmal an der falschen Stelle platziert. Nun drohe der "Rostlaube von Kalkriese" (gemeint ist der 14 Millionen Euro teure Museumsbau) ein ähnliches Schicksal.

 

08.03.2004

 

http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?sid=fda824b624a9a42460e0b10abcadd794&cnt=75769